Fotografie im Hardwarewahn oder der Fluch der Fototechnik

Die Fototechnik ist heute fast so schnelllebig wie die Computertechnik. Ein neues Modell jagt das nächste und ständig gibt es irgendwas tolles Neues. Es füllen sich Magazinseite und Magazinseite mit Tests der neusten Hardware. Die Werbung suggeriert uns, dass Fotografieren noch nie so einfach war wie mit der Kamera der neusten Generation. Alles macht sich von alleine und es kommen super Bilder raus, ohne etwas dafür zu machen. Zumindest wenn man der Werbung glauben darf.

Dünen bei Schillig

Das ist natürlich die reine Werbung. Mich persönlich nervt jedoch, dass aktuell 80 Prozent der Artikel bei Fotozeitschriften aus irgendwelchen Hardwaretests bestehen. Der Rest ist dann meist über die noch so tollste Bildbearbeitung und Tipps und Tricks mit Photoshop oder Lightroom.

Dabei geht kaum mehr jemand auf das Fotografieren als Handwerk ein. Das was dahinter steckt und auf was es oftmals wirklich ankommt. Der Blick fürs Motiv, Lichtführung, die physikalischen Zusammenhänge in der Kamera und wie ich mit fototechnischen Einstellungen an der Kamera schöne Effekte ins Bild zaubern kann, ganz ohne ein dreijähriges Photoshopstudium zu brauchen.

Man darf mich hier nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Bildbearbeitung. Und natürlich entwickle ich meine digitalen Aufnahmen auch elektronisch. Aber ich persönlich belasse es dabei meist doch auf den Dingen, die man klassisch auch schon im Labor machen konnte. Etwas Farbwerte, Weißabgleich oder kurzes unscharf Maskieren. Alles keine Erfindungen der elektronischen Bildbearbeitung. Nur weiß das kaum noch jemand.

Fotografieren kann man auch heute, trotz der ganzen modernen Hardware, auch immer noch sehr gut mit älterer und teilweise steinalter Hardware. Beispielsweise benutze ich auch immer wieder meine uralte EOS 10D sehr gerne oder auch meine alte Fuji Systemkamera. Es ist für ein gutes Foto schlichtweg nicht wichtig immer das Neuste zu haben. Nur ganz wenige Nutzer profitieren von den einzelnen technischen Sprüngen.

Wichtig ist es das Fotografieren an sich verstanden zu haben. Denn dann kann man auch die Kamera dort einsetzen wo sie ihre Stärken hat und diese viel besser nutzen. Auf Wanderungen oder Spaziergängen ist mir meine leichte Fuji mit einem 28-300 Objektiv deutlich lieber als der große Fotorucksack mit 10000 Euro Inhalt und wie viel Gewicht. Für meine Landschaftsaufnahmen oder Makro die ich auf solchen Touren objektiv machen kann, reicht die Technik bei Weitem aus.

Ich passe meine Ausrüstung erst einmal immer an mein Foto – Vorhaben an. Die paar Motive, die sich dann evtl. bieten und nicht zu meinem mitgeführten Equipment passen … behalte ich halt in guter Erinnerung … schließlich gibt es auch ein Leben außerhalb des Suchers.

Fazit: Meiner Meinung wird sich heute viel zu viel um die Technik gekümmert, und zu wenig ums Fotografische. Man kann schließlich auch mit alten Töpfen und Pfannen sehr gut kochen – wenn man es kann 🙂