Fotos – verschiedene Arten der Fotografie und Diskussion

In vielen Fotoforen tauchen immer wieder Diskussionen über gute und schlechte Fotos auf. Über was ist Fotografie, und was ist richtige Fotografie, etc. Diesem Thema möchte ich meinen heutigen Beitrag einmal widmen und meine sehr persönliche Meinung zu dem Thema kund tun.

Zunächst sei mal gesagt, Fotografie ist Handwerkskunst. In diesem Wort steckt ja die Kunst schon klar drin und damit ist auch klar, dass Fotografie etwas sehr subjektives ist, wie jede Kunst. Damit kann es schon kein „Richtig“ und „Falsch“ geben. Auch kein „Gut“ oder „Schlecht“. Es kann ein „Gefällt mir gut“ oder „Gefällt mir nicht“ geben. Da Kunst nie objektiv bewertet werden kann gibt es demnach auch nicht das Richtige oder das Falsche.

Hooksiel Hafenimpression by Tom Syrk

Dennoch teilt sich die Fotografie in verschiedene Bereiche, welche auch unterschiedliche Ansprüche an die erstellten Fotos mit sich bringen.

Erinnerungsfotos

Erinnerungsfotos macht man für sich oder nahe stehende Menschen, um bestimmte Situationen im Bild festzuhalten und sich später beim Betrachten wieder an die Situation zu erinnern oder den entsprechenden Anlass. Solche Fotos brauchen für meine Begriffe keinen fotografischen Anspruch auf Fototechnik, Bildaufbau, etc.

Sie dienen einzig und alleine einem begrenzten Personenkreis zur Erinnerung an ein Ereignis. Also gerade hier ist jegliche fotografische Diskussion hinfällig. Beispiele solcher Fotos sind zum Beispiel die Kinderfotos, die Muttern im alten Album eingeklebt hat um sich und die Kids später an diese Zeit zu erinnern.

Dokumentar- und Reportagefotografie

In der Dokumentar- und Reportagefotografie geht es um das festhalten einer bestimmten Situation für die Öffentlichkeit. Hier gelten oft ganz eigene Regeln, wenn auch schon mehr als bei den Erinnerungsfotos. Von Reportagefotos erwarte ich eine bestimme technische Qualität in Punkto Schärfe und – ja nach Publikum – auch ein gewisses Maß an Bildaufbau. Vor allem aber erwarte ich bei diesen Fotos, dass sie ein Abbild der Realität sind, in welcher sie entstanden.

Sprich, hier ist zwar ein einfacher digitaler Entwicklungsprozess gefragt, was sich jedoch verbietet ist jegliche inhaltliche Veränderung am Foto. Klassische Beispiele sind Fotos für Zeitungen, Reportagen, etc.

Künstlerische Fotografie

Dies ist wohl das größte Feld in der Fotografie. Hier gilt aber auch, erlaubt ist, was gefällt. Künstlerische Fotos sollen auf den Betrachter wirken. Sie erheben nicht mal zwingend den Anspruch ein einfaches Abbild des Gesehenen oder der Realität zu sein. Bildwirkung kann hier beispielsweise durch den Entwicklungsprozess erwirkt werden, durch Bildbearbeitung, Composing und auch dem Bruch mit sonst klaren fototechnischen Regeln. Unschärfe kann zum Stilelement werden. Farbverschiebungen zum Werkzeug und Bildaufbau zur Absicht.

Dies ist das größte fotografische Feld, in welchem sich die meisten „Fotografen“ bewegen. Eben mehr oder weniger stark. Und gerade hier finde ich objektiv wertende Aussagen über Fotografien fehl am Platz. Denn das gleiche Kunstwerk kann mir gefallen, meinem Nachbar nicht. Ist es deshalb gut oder schlecht ? Richtig oder Falsch ? Es ist nichts von dem. Es ist Kunst. Es ist objektiv nicht bewertbar. Natürlich kann man persönliche, subjektive Kritik üben. Nur keine verallgemeinerte.

Fazit

Es fällt also schwer Fotos zu beurteilen. Gerade im Bereich der künstlerischen Fotografie. Deshalb würde ich mir wünschen dies auch in der Diskussionskultur mehr einfließen zu lassen. Kritik gerne – aber konstruktiv und subjektiv. Gerne ein „stark“, oder „gefällt mir“. Auch gerne ein „gefällt mir nicht“ oder ein „Mir würde es besser gefallen, wenn … „. Weniger „Richtig“ oder „Falsch“. Noch schlimmer sind abfällige Emoticons, welche zum Teil tief unter die Gürtellinie gehen.

Es hilft immer mal kurz stehen zu bleiben und nachzudenken und an Henri Cartier-Bresson zu denken, der einmal sagte:

„Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“

Damit hat er recht. Man muss sich dann nämlich fragen, warum dieses Foto den Blick so lange festhielt.